weihnachtsgedichte-für-achtsame-besinnliche-stunden

Ich bin ja kein großer Gedichte-Fan, aber an Weihnachten ist eben alles ein bisschen anders. 🎄 Deshalb habe ich heute für dich meine liebsten Weihnachtsgedichte für achtsame und besinnliche Stunden. ✨
Dann würde ich mal sagen, Teetasse auffüllen, Weihnachtsmusik an, aufs Sofa kuscheln und viel Freude beim Lesen und Zeit für dich! ❤️

Weihnachten

Markt und Straßen steh’n verlassen,
still erleuchtet jedes Haus.
Sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein steh’n und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld.
Hehres Glänzen, heil’ges Schauen,
wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen.
Aus des Schnees Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen:
Oh Du gnadenreiche Zeit!

– Joseph von Eichendorff

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weissen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

– Rainer Maria Rilke

Vorweihnachtstrubel

Grüner Kranz mit roten Kerzen,⠀
Lichterglanz in allen Herzen,⠀
Weihnachtslieder, Plätzchenduft,⠀
Zimt und Sterne in der Luft.
Garten trägt sein Winterkleid,⠀
wer hat noch für Kinder Zeit?⠀
Leute packen, basteln, laufen,⠀
grübeln, suchen, rennen, kaufen,⠀
kochen, backen, braten, waschen,⠀
rätseln, wispern, flüstern, naschen,⠀
schreiben Briefe, Wünsche, Karten, ⠀
was sie auch von dir erwarten.
Doch wozu denn hetzen, eilen,⠀
schöner ist es zu verweilen, ⠀
und vor allem dran zu denken,⠀
sich ein Päckchen „Zeit“ ⠀
zu schenken. ⠀
Und bitte lasst noch etwas Raum⠀
für das Christkind unterm Baum! ⠀

– Ursel Scheffler

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?
Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen euch danken für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.

– Gustav Falke

O schöne, herrliche Weihnachtszeit!

O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
was bringst du Lust und Fröhlichkeit!

Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.

Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein.

Und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen.

Der heilige Christ an alle denkt,
ein Jedes wird von Ihm beschenkt.

Drum lasst uns freuen und dankbar sein,
er denkt auch unser, mein und dein!

– Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Knecht Ruprecht

Von drauß vom Walde komm‘ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,

Und wie ich so strolcht‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:

„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,

Alt‘ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;

Und morgen flieg‘ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ –

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.“ –

„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;

Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“

Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauß vom Walde komm‘ ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!

– Theodor Storm

Bild: Annie Spratt auf Unsplash